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Differenzialdiagnose
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Differenzialdiagnose
Notfälle

Notfall ausschließen

Um einen Notfall auszuschließen (g S. 26), achtet man auf die Atmung, den Kreislauf und das Bewusstsein. Meistens reicht eine aufmerksame Haltung, um Störungen zu erkennen.

! »Daran denken« ist eine gute Versicherung gegen übersehene Notfälle.

Warnhinweise auf einen Notfall sind:

  • Atmung: starke Luftnot, sichtbar angestrengte Atembewegungen, Zyanose, eingeschränkte Atembewegungen, schwache Atmung
  • Kreislauf: Blässe, periphere Kühle, Tachykardie, niedriger Blutdruck
  • Bewusstsein: Orientierungsstörungen, Verlangsamung, Schläfrigkeit.

Viele Notfälle haben spezielle oder abweichende Befunde, z. B. hoher Blutdruck bei einer hypertensiven Krise. Gefährlich sind sich anbahnende oder versteckte Notfälle:

  • zunehmende Atemnot bei einem beginnenden Asthmaanfall
  • allergische Reaktionen, die mit leichtem Unwohlsein beginnen und bis zum anphylaktischem Schock führen
  • Hirnblutungen und Hypoglyklämien bei alkoholisierten Patienten.

Bei Verdacht sind eine gezielte Untersuchung und ggf. eine Überwachung unerlässlich.

Abwendbar gefährliche Verläufe

Weitaus häufiger als ein akuter, lebensbedrohlicher Notfall sind die abwendbar gefährlichen Verläufe. Der Begriff ist von der Allgemeinmedizin geprägt worden und bezeichnet gefährliche Verläufe einer Erkrankung, die rechtzeitig erkannt und mit einer rechtzeitigen Therapie verhindert werden können.
Der Terminus umfasst zwei Arten von Gefahren:

  • Komplikationen, die im Verlauf drohen, z. B. eine Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes) bei einer Otitis media (Mittelohrentzündung) oder eine Pneumonie bei einer Bronchitis
  • ernste Erkrankung, die übersehen werden können, z. B. ein Schlaganfall bei leichter Verwirrtheit oder eine Pankreatitis bei Unwohlsein.

Ernste Erkrankungen können leicht übersehen werden, wenn

  • die Symptome unspezifisch sind, z. B. Husten ohne weitere Symptome bei einer Lungenembolie
  • die Symptome meistens für eine harmlose Erkrankungen sprechen, z. B. wenn im Rahmen einer Darmgrippe-Welle eine Appendizitis (Blinddarmentzündung) übersehen wird.

Daher sollten bei bestimmten Symptomen immer weitere Fragen und Untersuchungen folgen, z. B.

  • bei Infekten: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Auslandsaufenthalt?
  • bei Durchfallerkrankungen: Blut, Schleim, Eiter im Stuhl?
  • bei Obstipation: Blut im Stuhl, Wechsel mit Diarrhoe? Rektal palpieren
  • Husten: Lunge abhören
  • Bauchschmerzen: Bauch sorgfältig abtasten, nach Abwehrspannung fahnden.

Häufig übersehene oder aufgrund dezenter oder untypischer Symptomatik nicht erkannte Erkrankungen sind z. B. Herzinfarkt, Hypothyreose, Lungenembolie und Schlaganfall.

Das Gegenstück zu den abwendbar gefährlichen Verläufen ist das abwartende oder beobachtende Offenhalten. Dabei wird bewusst auf eine weitergehende Diagnostik verzichtet. Das geht, wenn Anamnese und klinischer Befund eine ernsthafte Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.



 
Cover Differenzialdiagnose für Heilpraktiker

Dieser Text stammt aus dem Buch Differenzialdiagnose für Heilpraktiker, welches im Juni 2010 im Fotizick-Verlag erschienen ist.

Lesen Sie das komplette erste Kapitel.