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Seite 5 von 5 Geleitwort
„Die Augen sind das Fenster zur Seele“. Der Volksmund kennt diese Weisheit seit langem. In ihrer praktischen Arbeit suchen Marianne Wiendl und Uschi Ostermeier-Sitkowski nach neuen Möglichkeiten, über die Augen die Seele zu erreichen und über die Heilung der seelischen Verletzungen auch die Augen zu einem neuen Sehen zu führen. Sie verwenden dabei die Methode der Aufstellung als Zugang zur menschlichen Seele. „Aufstellung“ bedeutet, Menschen stellen sich zur Verfügung, die seelische Struktur eines anderen Menschen widerzuspiegeln. Es gibt meines Erachtens kein besseres diagnostisches Verfahren, die psychische Struktur eines anderen Menschen zu erfassen. Gleichzeitig eröffnet dieses Vorgehen die Möglichkeit, tiefgreifende seelische Veränderungen bei einem Patienten oder Klienten zu bewirken. Durch die Entdeckung der Spiegelnervenzellen im menschlichen Gehirn haben wir nun die Möglichkeit, das Phänomen der Aufstellung in seinen physiologischen Grundlagen besser zu verstehen. Es gibt demnach einen eigenen menschlichen Sinn für Beziehungen und unsere Augen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Mit unseren Augen nehmen wir einen Großteil der Informationen auf, die zur Spiegelung und inneren Repräsentation anderer Menschen in uns führen. Wir nehmen von unseren Bindungs- und Beziehungsbedürfnissen geleitet, von Kindheit an das Hilfreiche und Stärkende ebenso unbewusst auf wie das Schwächende und Verstrickende. Was uns stützt, muss durch keine Therapie ans Licht geholt werden. Was uns aber schwächt, muss vom Unbewussten in das Bewusste gehoben werden, um es verändern zu können. Je früher dies geschieht, umso besser sind die Chancen, Fehlentwicklungen zu vermeiden. Die Arbeit mit Kindern ist daher bei der Erforschung der Zusammenhänge zwischen dem Sehen und der Seele ein überaus begrüßenswerter Ansatz. Die beiden Autorinnen schlagen mit diesem Buch eine erste Brücke zwischen der Aufstellungsmethode, die sich bei vielen Symptombildern psychischer Störungen immer besser als Diagnose- und Interventionsverfahren bewährt, und den Fehlsichtigkeiten unseres menschlichen „Sehapparates“, der wohl eben doch kein bloßer „Apparat“ ist, sondern etwas zutiefst Beseeltes. Sie entwickeln eine neue Sichtweise über die Anomalien des Sehens und liefern in ihren Fallbeispielen kreative Hypothesen. Es sollte diesen forschend weiter nachgegangen werden. München, Februar 2006
Prof. Dr. Franz Ruppert
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