|
Wie aus dem Zankapfel die Einbeere wurde |
|
Seite 4 von 4 Rezensionen Arzt, Zahnarzt & Naturheilverfahren 3/06
Ihr Anteil an Liebe, Hass und Eifersucht auf dem Olymp
Dieses Buch lädt sich selbst dazu ein, mit in den Urlaub genommen zu werden. Auf spannende Weise werden Verbindungen von zahlreichen Heilpflanzen zu den Göttern und Helden des klassischen Altertums geknüpft. Die unterhaltsame und unnachahmliche Darstellung hinterlässt ein einprägsames Bild der verschiedenen Pflanzen und ihrer Bedeutung in Mythos und Anwendung, besser als jedes Nachschlagewerk es könnte.
Der Autor studierte Altertumswissenschaften, bevor er sich der Naturheilkunde zuwandte. Seit nunmehr 15 Jahren ist er als Heilpraktiker tätig und gibt sein Wissen über die Heilpflanzen unter anderem auf Vorträgen und bei Kräuterwanderungen weiter. Wer also mal etwas mehr über einige bewährte Heilpflanzen wissen möchte als es die übliche Pharmakologie hergibt und dabei zudem angenehm unterhalten werden möchte, trifft mit diesem Buch eine gute Wahl.
Naturheilpraxis, Mai 2006
Phytotherapie ist heute weitgehend verengt auf die rein stoffliche Betrachtung bestimmter Inhalts- und Wirkstoffe, welche aufgrund einer rationalen Diagnostik gezielt eingesetzt werden. In eziten des Verlustes der sinnlichen Wahrnehmung in der Diagnostik und der Armut an behandlerischer Phantasie in einer personotropen - zumindest aber konstitutionellen - Therapie kommt dieses Buch zum richtigen Zeitpunkt, ehe so alles Wissen um die Herkunft verlorengeht. Der Autor studierte Altertumswissenschaften, bevor sich der Naturheilkunde zuwandte, und das war gut so, wie sein Buch auf faszinierende Weise ausweist. Aus seinem Wissensschatz kristallisierte sich die Frage heraus, was es denn mit den Namen unserer Pflanzen auf sich hat. Um diesen Hintergrund lebendig zu beleuchten, wählt Hertlin die Form von 12 Besuchern zu Göttern und Helden des klassischen Altertums. In aufregenden und amüsanten Geschichten aus der Mythologie entsteht beim Leser ein tieferes Verständnis für immerhin 64 Pflanzen, die aus seinen unterhaltsamen und lehrreichen Reisen "aufkeimen, blühen und heilen" und uns einprägsam ihren Charakter verraten und somit unsere behandlerische Phantasie aufladen.
Leser der "Naturheilpraxis" konnten ja schon einige Kostproben der Götterbesuche Bernd Hertlings lesen.
Sehr lesenswert sind auch die einleitenden Kapitel über Grundgedanken des Existentiellen, das die Griechen von jeher als "Werden und Vergehen" verstanden, als etwas in Bewegung Befindliches, wie uns ja auch heute noch im "lege artis"-Vorgehen der Naturheilkunde nicht der Fixpunkt Krankheit vo sehr interessiert, sondern der kranke Mensch in der Begegnung mit einer krankmachenden Ursache in seiner Entwicklung - wichtiger Bestandteil naturheilkundlicher Diagnostik ist die Prognostik, und niemand mit einem gesunden Menschenverstand wird je ernsthaft bestreiten, dass dieses für die kranke Person eine Frage von existentieller Bedeutung ist, nämlich "noch werden" oder "schon vergehen".
In diesem wunderbaren Buch findet man in den theoretischen Erwägungen wie auch in den blutvollen müthologischen "Stories" immer wieder Situationen, in denen man verharren möchte, um sie für sich noch einmal durchzugehen.
Wer mehr wissen will, muß das Buch lsesen - für einen Naturheilkundler eigentlich eine Pflichtlektüre. Aber hier wird die Pflicht zu einem reizvollen Vergnügen.
|